Eine der prominentesten Immobilien von Kobern-Gondorf hat einen neuen Besitzer: Das im Ortsteil Gondorf gelegene Schlossgut Liebieg wurde von der Familie Rombelsheim verkauft. Neuer Besitzer ist die Schlossgut Liebieg GmbH, wie deren Geschäftsführer Andreas Kreuter auf Anfrage der RZ bestätigte. Doch was hat der neue Eigentümer damit vor?

Fest steht wohl, dass das Schloss künftig anders genutzt werden kann und auch wird als bislang: „Im Rahmen einer Bebauungsplanänderung in diesem Jahr wurde es uns ermöglicht, ein Weingut in dem Objekt zu etablieren, welches der schwerpunktmäßige Zweck der GmbH ist“, teilte Kreuter der RZ auf Anfrage schriftlich mit. Auf Details wollte er aber noch nicht eingehen. Die Planungen diesbezüglich seien derzeit noch „in vollem Gange“. „Ich denke, Genaueres wird sich innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate entwickeln“, erklärte der Geschäftsführer und bittet um Geduld.

Den meisten der auf dem Gelände ansässigen Firmen hat der neue Besitzer aber entsprechend ihren Mietverträgen inzwischen fristgerecht gekündigt. So auch der Firma Casanova Interiors, die klassische Möbel und Accessoires aus Italien verkauft. Wie Marisa Di Maio berichtet, hatte das Familienunternehmen seit dreieinhalb Jahren einen Ausstellungsraum in der ersten Etage des Hauptgebäudes. Im Juni kam die Kündigung, wofür Di Maio aber angesichts des „schönen Projekts“, das geplant sei, vollstes Verständnis hat. Casanova Interieurs zieht derzeit mit dem Ausstellungsraum aufs Klostergut Besselich in Urbar, das weiterhin in Besitz der Familie Rombelsheim ist.

Doch wie sieht es mit Veranstaltungen aus? In den attraktiven Räumlichkeiten haben in der Vergangenheit zum Beispiel viele Paare ihre Hochzeit gefeiert. Aber auch Präsentationen von Antiquitäten oder Kunstausstellungen haben dort immer wieder stattgefunden. „Der Spiegelsaal wird weiter als Eventlocation genutzt“, sagt Alexander Hüllen, dessen Cateringunternehmen bereits viele Hochzeiten auf Schloss Liebieg ausrichtete und dort auch ansässig ist. Hüllen muss dementsprechend nicht umziehen. Im Gegenteil: Er wird auf Schloss Liebieg aktiver sein denn je. „Wir werden dort nächstes Jahr ein Restaurant betreiben“, sagt er. Mehr noch: Auch ein Hotelbetrieb mit 15 oder 16 Zimmern sei geplant.

Doch warum hat sich der alte Besitzer überhaupt von dem Schloss getrennt? Die unbedingte Notwendigkeit zu verkaufen gab es laut Jens Rombelsheim nicht. Etwa 25 Jahre war Schloss Liebieg im Besitz der Familie. Finanziell lukrativ war die Immobilie wohl nicht. „Das war von den Möglichkeiten, Mieteinnahmen zu erzielen, begrenzt“, sagt der Geschäftsmann. Auch das dort vor Jahren etablierte Autohaus habe vergrößert werden müssen. Schon längere Zeit habe man das Schloss bei einem Spezialmakler für Weingüter angeboten und ohne Druck auf einen Interessenten gewartet, der bereit ist, eine entsprechende Summe zu bezahlen. Ende 2017 habe man dann „ein vernünftiges Angebot bekommen“ – und verkauft. Im vergangenen August sei der Verkauf umgesetzt worden. Wie hoch der Kaufpreis war, ließ sich Andreas Kreuter nicht entlocken.

Ortsbürgermeister Michael Dötsch bewertet den Verkauf und die Tatsache, dass sich ein neuer Investor diesem „prägenden Gebäude für Kobern-Gondorf“ mit all den speziellen Herausforderungen, die ein historisches Bauwerk mit sich bringt, annimmt, als positiv. „Wir sind froh, dass das Gebäude weiter in der Nutzung bleibt.“ Dass dort ein Weingut angesiedelt werden soll, ist aus seiner Sicht passend und im Interesse der Gemeinde, da der Weinbau die Kulturlandschaft präge und auch in der Geschichte des Schlosses bereits eine Rolle gespielt habe. Eine zusätzliche Nutzung des Schlosses für gastronomische Zwecke würde er begrüßen. Die Nutzung als Autohaus werde aus seiner Sicht sicher „terminiert enden“.

Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung, Ausgabe B vom 19.10.2018, Seite 23. Bildmaterial von Erwin Siebenborn.